Unternehmensbesuche im Forst Gadow und im Omnibusbetrieb Hülsebeck Lenzen

10.09.2020

Landrat nimmt viele Anregungen mit

In fast 20 Meter Höhe erläutert Steffen Bauch (r.) Torsten Uhe, welche Zapfen geerntet werden können. Foto: Landkreis Prignitzzoom

Hoch hinaus ging es für Landrat Torsten Uhe am Mittwoch im Gadower Forst. In fast 20 Meter Höhe durfte er Zapfenpflücker Steffen Bauch über die Schulter schauen. Jetzt ist Saison für das Pflücken der wertvollen Zapfen von Douglasien und Tannen. Früher eine sehr schwere Arbeit, um die Wipfel der Bäume mit Steigeisen zu erklimmen, heute bedient man sich einer Hebebühne, die in luftiger Höhe auch mal ins Pendeln kommen kann. Das wertvolle Saatgut wird für Baumschulen gewonnen, die es teilweise bis zu 10 Jahre einlagern können, erläutert Holger Galalonska von der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz. Etwa 300 Waldeigentümer haben sich 2012 zu dieser Betriebsform zusammengeschlossen, um 7100 Hektar Waldfläche zu bewirtschaften, erfährt Torsten Uhe. Das Zapfenpflücken sei mühselig aber ein wichtiges Standbein für die Forstbetriebsgemeinschaft. Aus 100 Kilogramm Dougalsienzapfen gewinnt man etwa 1 Kilogramm Saatgut, aus dem etwa 40 000 bis 50 000 Setzlinge gezogen werden können. „Die Nachfrage ist gut“, weiß Galonska, weil sich die Douglasie im gegenwärtigen Klimastress mit trockenen Sommern recht wacker schlägt.

Zapfenernte, Holzgewinnung, regionale Verarbeitung, Sturmschäden, Borkenkäferbefall, berufliche Nachwuchsgewinnung und nachhaltige Waldwirtschaft sind Themen, über die sich der Landrat vor Ort mit Holger Galonska austauschte. Abnehmer von Holz aus Gadow sind zum Beispiel auch Swiss Krono in Heiligengrabe oder das Furnierwerk Prignitz in Falkenhagen.

Mit dem Bus durch Lenzen: Uwe Büttner von der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz, Kai-Uwe Hülsebeck und Torsten Uhe (v.l.). Foto: Landkreis Prignitzzoom

Am Nachmittag ist Landrat Torsten Uhe unterwegs mit „Lotte“. Der Oldtimerbus Marke Skoda aus den 1960er Jahren ist nicht zu übersehen und zu überhören. Er ist ein Hingucker. Kai-Uwe Hülsebeck vom gleichnamigen Omnibusbetrieb steuert ihn. Er führt den Familienbetrieb in dritter Generation. Mindestens jedes zweite Auto, das entgegenkommt, grüßt oder blinkt. Kai-Uwe Hülsebeck und das 1952 gegründete Unternehmen gehören zu Lenzen wie die Elbe zur Stadt. Auf der Tour bis nach Wootz kommen viele kommunale Themen zur Sprache. Der Ausbau von Kitaplätzen ebenso wie der Fachkräftemangel in seiner Branche, zu langsames Internet, die touristische Belebung in der Region und wie die Wische zu mehr Einwohnern und einem Zahnarzt kommen könnte. Uhe fragt nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Mit seinen Linien-, Klein- und Reisebussen sei das Familienunternehmen mit 16 Angestellten breit aufgestellt, so Hülsebeck, was die immensen Verluste natürlich nicht ausgleichen konnte. Der Reiseverkehr mit Vereins-, Klassen-, Tages- oder Mehrtagesfahrten sei vor einem halben Jahr komplett weggebrochen, für Mitarbeiter musste er auch Kurzarbeitergeld beantragen, berichtet er. In der letzten Woche habe schon wieder eine Hochzeitsfahrt mit „Lotte“ stattgefunden, zeigt er sich glücklich, dass seine Familie und die Belegschaft mit dieser Krise umgehen können. Gleichzeitig spricht Hülsebeck von einem länderübergreifenden Pilotprojekt mit Lüchow-Dannenberg im Personennahverkehr, das angeschoben werden müsste, von klimafreundlicher Wasserstofftechnologie auch für Busse und einer stärkeren Anbindung zur Metropolregion Hamburg. Landrat Uhe ist dankbar für viele dieser Anregungen, die er gern von beiden Unternehmenbesuchen mitnimmt. .

 

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