Tagung der Bodendenkmalpfleger

25.01.2024

Erstaunliche archäologische Funde präsentiert

Bei der Tagung anwesend waren Matthias Dasse, André Reichel, Daniel Schlag, Sebastian Lossin, Jörg Lehmann, Jörg Moska, Jörg Hildebrandt und Michael Meyer. Foto: Landkreis Prignitz

2023 war ein außergewöhnliches Jahr in Sachen archäologische Funde in der Prignitz. Das war eine Haupterkenntnis bei der diesjährigen Tagung der Prignitzer Bodendenkmalpfleger in der Prignitz am Dienstag, 23. Januar, im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum. Abgesehen von den vielen schon bekannten Funden und Erkenntnissen gab es noch weitere überraschende Mitteilungen.

Denn in den Beständen des Perleberger Museums sind überraschend noch einige Preziosen entdeckt worden. So tauchte im Museumsbestand eine komplette Handbüchse auf. Sie passt gut zu einem vergleichbaren Fund bei Kletzke. Handbüchsen waren ab dem späten 14. Jahrhunderts gebräuchliche Waffen.

Wieder aufgetaucht sind im Museumsbestand auch Funde, die am Teufelsberg bei Wolfshagen vor Jahrzehnten gemacht worden waren – mit 90 Jahren Verspätung können sie nun untersucht werden.

Gordon Thalmann, Sachbereichsleiter Denkmalschutz in der Prignitzer Kreisverwaltung, begrüßte die Gäste zur Tagung der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger 2024. Foto: Landkreis Prignitzzoom

Ansonsten zog Gordon Thalmann, Sachbereichsleiter Denkmalschutz in der Prignitzer Kreisverwaltung, bei seiner Begrüßung sehr zufrieden Bilanz: „Ich blicke mit großer Frfeude zurück auf das archäologische Jahr 2023“, sagte er und betonte, wie wichtig der Anteil der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger daran ist.

Bei der Tagung anwesend waren Matthias Dasse, André Reichel, Daniel Schlag, Sebastian Lossin, Jörg Lehmann, Jörg Moska, Jörg Hildebrandt und Michael Meyer. Für ihren Einsatz bedankte sich Thalmann ausdrücklich bei allen. Sie konnten ihre Fundstücke des Jahres präsentieren und miteinander darüber diskutieren.

Ein gutes  Beispiel ist ein bedeutender Siegelfund bei Kletzke, für den sich Gordon Thalmann beim Bodendenkmalpfleger Sebastian Lossin bedankte. Jörg Hildebrandt gab noch Erläuterungen zu einem Zufallsfund von Reibesteinen, den er bei Klein Linde gemacht hatte.

Nicht teilnehmen konnten leider aus terminlichen oder gesundheitlichen die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger/innen Kerstin Beck, Christian Etzel, Andreas Nürnberg, Edgar Wormstädt und Christine Neumann. „Ihnen gilt in gleicher Weise unserer Dank!“, betont Gordon Thalmann.

Kreisarchäologe Torsten Geue präsentiert die Handbüchse, die jetzt in den Beständen des Perleberger Museums gefunden worden ist. Foto: Landkreis Prignitzzoom

Kreisarchäologe Torsten Geue gab danach einen Überblick über die vielen archäologischen Grabungen im Jahr 2023, über die wir auch regelmäßig bereits informiert hatten, von der alten Quitzowburg bei Kletzke über die Kuhburg bis hin zu den Grundrissen eines großen Versammlungsraums aus der Bronzezeit nahe dem Königsgrab von Seddin – letzterer fand bundesweit und sogar im Ausland Resonanz bei den Medien. Der Grundriss fand sich auf einer Fläche, die der Bodendenkmalpfleger André Reichel als möglichen Fundort identifiziert hatte.

Erstaunliche Erkenntnisse erbrachte auch die Sommergrabung junger Archäologen am Stift Marienfließ – dort wurden zum Beispiel Reste der alten Klosteranlage ausgegraben, die sich an die Klosterkirche angeschlossen hatte, sowie Gräber aus der Gründungszeit des Klosters. Ein Dank ging dabei auch an das Perleberger Museum, das die Veranstaltung mit organisiert hatte.

In diesem Jahr haben die jungen Archäologen das Renaissanceschloss in Kletzke ins Visier genommen, von dem noch ein paar Ruinen stehen.

Torsten Geue informierte auch über Erkenntnisse, die bei der archäologischen Begleitung vieler Bauprojekte in der Prignitz gewonnen wurden, vom Großen Markt 10 in Perleberg (wo der Grundriss eines alten Steinwerks und ein französisches Weinfass gefunden wurden) über die Havelberger Straße in Pritzwalk (Reste und der komplett erhaltene Grundriss des Buchholzer Stadttores) bis hin zum Baugruppenvorhaben an der Burgstraße in der Wittenberger Altstadt.

Die Archäologin Ines Beilke-Voigt berichtete über die Funde, die an der Baustelle Burgstraße in Wittenberges Altstadt gemacht worden sind und neuen Aufschluss über die Stadtgeschichte geben. Foto: Landkreis Prignitzzoom

Zu letzterem gab Dr. hab. Ines Beilke-Voigt noch ausführliche Informationen. Insbesondere über die Gründungsphase der Stadt Wittenberge wurden hier neue Erkenntnisse gewonnen, etwa über die Bedeutung des Gerberhandwerks und damit auch des Schuhmacherhandwerks in jener Zeit, über die ziemlich gut erhaltenes Schuhwerk aus dem frühen 14. Jahrhundert Auskunft gibt.

Interessant auch der Fund eines Pilgerzeichens aus Aachen, das sich im Wittenberger Untergrund befand.

Kleiner Terminhinweis:

Am Freitag, 26. Januar 2024, spricht Sarah Romeyke um 19 Uhr in der Galerie Alter Laden, Am Markt 3 in Wusterhausen / Dosse zu dem spannenden Thema „Spuren einer verlorenen Sammlung.

Das Heimatmuseum Heiligengrabe 1909 – 1946“. Es handelt sich um einen Vortrag in der Reihe „Zentrale Archäologische Orte“, kurz ZAO. Siehe dazu auch unsere PM 16 / 2024 vom 18. Januar, die Ihnen zugegangen ist.

© Landkreis Prignitz 


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