Kuhschelle in der Prignitz

Kuhschelle am Weinberg

Am Weinberg in Perleberg - und nur hier -  wachsen die Wiesen-Kuhschelle mit ihren kleinen Glockenblüten und die Echte oder Gemeine Kuhenschelle mit ihren großen, leuchtenden Blütensternen gemeinsam an einem Ort. Beide sind in Brandenburg vom Aussterben bedroht. Auch in Perleberg haben die Pflanzen Probleme, sich gegen starkwüchsige Gräser und Kräuter zu behaupten.

Warum ist das so?
Die älteren Perleberger werden sich noch erinnern, dass der Weinberg vor dem Zweiten Weltkrieg als Segelflugplatz genutzt wurde. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden seine dürren Böden von Schafen beweidet. Kleine und große Gruben zeugen außerdem davon, dass von hier aus Kies und kalkreicher Mergel als Baumaterial in die umgebenden Orte gelangten. Der Wald war weit zurückgedrängt. Die Rasen und Heiden waren kurz und schütter und kalkreiche Bodenschichten wurden immer wieder freigelegt. Lila-blaue Kuhschellen, rote Kartäuser-Nelken, hellblaue Skabiosen und leuchtend gelbe Fingerkräuter fanden beste Standortbedingungen und sorgten für eine Blütenpracht vom Frühjahr bis zum Herbst. Auch in den später aufschießenden Wäldern konnte sich diese Farbigkeit noch lange erhalten.

Erst der starke Eintrag von Nährstoffen aus der Luft und die zunehmende Versauerung der oberen Bodenschichten führen seit mehreren Jahrzehnten zu einem immer stärkeren Rückgang dieser Pflanzen. Bedenklich ist, dass insbesondere die Kuhschellen seit langem nur noch sehr wenig "Nachwuchs produzieren". Die empfindlichen Wurzeln der Sämlinge gehen entweder in dem sauren Boden zugrunde oder die Samen finden keine offenen Bodenflecke zum Keimen. Die Mutterpflanzen sind manchmal Jahrzehnte alt. Mit ihrem allmählichen Absterben droht das langsame, aber völlige Verschwinden dieser schönen Blumen.

Verantwortung für die Natur übernehmen

Wiesenkuhschelle - Pulsatilla pratensis

Für den Schutz der Pflanzenwelt am Weinberg kann jeder etwas tun. Die Wege und Pfade führen oft bis dicht an die seltenen Blumen heran und ermöglichen ein Betrachten, ohne ihre Standorte zu zertreten. Nicht nur verboten, sondern stets auch erfolglos ist das Ausgraben oder Ausreißen von Kuhschellen, um sie in den eigenen Garten zu verpflanzen. Zu tief und zu empfindlich ist ihr Wurzelwerk; die Pflanzen wachsen nicht wieder an.
Auch manche gut gemeinte Handlung kann der Natur schaden: Wer z. B. Kuhschellen aus dem Garten oder Baumarkt auf den Weinberg pflanzt um den Bestand zu stärken, gefährdet die am Weinberg noch vorhandenen Pflanzen. Kuhschellen aus der Gartenkultur entstammen Züchtungen, in die (ganz andere) Kuhschellen-Arten aus West- und Osteuropa eingekreuzt wurden. Diese könnten die über Jahrtausende entwickelte Anpassung der in der Prignitz heimischen Pflanzen an Klima und Boden durch Bastardierung zerstören.
Alle Naturfreunde können dazu beitragen, dass die Kuhschelle auf den Hügeln des Weinberges in Perleberg noch lange als blühendes Wahrzeichen zu bewundern ist.

© Landkreis Prignitz