Frühjahrsdeichschau: Deiche in gutem Zustand, aber Hochwasserschutz darf nicht nachlassen

11.05.2026

Bei der diesjährigen Frühjahrsdeichschau am 6. und 7. Mai 2026 waren die besichtigten Deichabschnitte in einem guten Unterhaltungszustand. Dabei waren diesmal keine nennenswerten Schadstellen auszumachen. Auch der diesmal härtere Winter hatte keine negativen Auswirkungen auf den Bewuchs des Deiches, weder an der Elbe noch an ihren Zuflüssen.

Marc Frankowiak, Sachbereichsleiter Umwelt beim Landkreis Prignitz: „Die halbjährlichen Deichschauen dienen dazu, gemeinsam mit allen beteiligten Stellen den Zustand der Hochwasserschutzanlagen im Landkreis Prignitz zu überprüfen und mögliche Handlungsbedarfe frühzeitig zu erkennen. Glücklicherweise gab es im vergangenen Jahr keine außergewöhnliche Hochwasserlage und auch keine besonderen Schadensereignisse. Dennoch bleibt der Hochwasserschutz eine Daueraufgabe, die kontinuierliche Aufmerksamkeit und regelmäßige Kontrollen erfordert. Die laufenden Investitions- und Sanierungsmaßnahmen an den Deichanlagen schreiten weiter voran. Natürlich wünschen wir uns an einigen Stellen, dass Maßnahmen noch schneller umgesetzt werden können, gleichzeitig sind solche Vorhaben jedoch technisch, organisatorisch und finanziell sehr umfangreich.“

Ein Hauptaugenmerk des Deichschau war diesmal die Besichtigung der ehemaligen Baustellen. Die Bauarbeiten an den Deichbaustellen bei Wentdorf und in Mödlich waren im Frühjahr 2025 erfolgreich abgeschlossen worden. Durch die Trockenheit ist die Ansaat schlecht aufgegangen, so dass teilweise nachgesät werden musste. Die Deichschau ergab nun, dass sich die Situation hier insbesondere in Mödlich bereits gut darstellt.

Auch bei Rühstädt wurde eine Fläche besichtigt, wo nachgesät worden war.

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Wie es mit der weiteren Sanierung der Deiche in der Prignitz in den kommenden Jahren aussieht, hängt sehr stark von den personellen Kapazitäten des Landesames für Umwelt ab. Aufgrund personeller Engpässe wird dort priorisiert, und im Moment steht die Sanierung von Deichen im Süden Brandenburgs im Vordergrund, wo nach Angaben des LfU noch ca. 760 Deichkilometer, etwa an Elbe und Schwarzer Elster, unsaniert sind.

Zwar ist in der Prignitz in den vergangenen Jahren ganz viel im Hochwasserschutz passiert: Die Elbdeiche sind bezogen auf das alte Bemessungshochwasser (BHW) von 7,45 Metern am Pegel Wittenberge nahezu zu 100 Prozent grundhaft saniert. Bezogen auf das neue BHW von 7,99 Meter am Pegel Wittenberge sind es jedoch nur etwa 32 Prozent.

Auch wenn der Hochwasserschutz landesweit ganzheitlich betrachtet werden muss und natürlich auch die Deiche im Süden zu erneuern sind, wird der Landkreis Prignitz weiter darauf drängen, dass auch hier weiter in den Hochwasserschutz investiert wird. Denn dieser wird für die Prignitz eine Daueraufgabe bleiben.

Dazu Marc Frankowiak: „Für uns als Verwaltung ist wichtig, die Hochwasserschutzanlagen dauerhaft im Blick zu behalten, die Unterhaltung zu begleiten und gemeinsam mit den zuständigen Verbänden und Fachbehörden die Sicherheit der Anlagen weiter zu gewährleisten. Gerade für einen Landkreis wie die Prignitz mit seiner Lage an der Elbe besitzt der Hochwasserschutz weiterhin eine hohe Bedeutung.“

Als nächste Baumaßnahme steht die Sanierung eines Teilabschnittes des Elbdeiches in der Ortslage von Bälow (Altdeich) an - hier kann eventuell noch in diesem Jahr begonnen werden. 

Auf dem Deich bei Lenzen (v.l.n.r.): Lysann Jacob vom Landesamt für Umwelt, Marc Frankowiak, Sachbereichsleiter Umwelt beim Landkreis Prignitz, und Jan-Henrik Grabbert vom MLEUV Brandenburg. Foto: Bernd Atzenroth / Landkreis Prignitzzoom

Vorausschauend hat das Landesamt folgende Deichsanierungsmaßnahmen priorisiert:

Ø  Hochwasserschutz Wittenberge (Lindendeich, Königsdeich, Karthaneabschlussdeich, WSA-Gelände)

Ø  Abschnittsweise den Mitteldeich (ca. 500 Meter bei Gnevsdorf)

Ø  Deicherhöhung Elbehauptdeich zwischen Gnevsdorf und Rühstädt

Allgemeine Infos zu den Deichschauen

Die Deichschauen sind stets in zwei Schaubereiche geteilt. Im ersten Schaubereich Wittenberge werden der Elbdeich von der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt bis Wentdorf, der Mittel- und Haveldeichdeich sowie die Rückstaudeiche in diesem Bereich inspiziert.

Im zweiten Bereich, dem Lenzener Schaubereich, werden der Elbdeich von Wentdorf bis zur Landesgrenze nach Mecklenburg-Vorpommern, der Löcknitzdeich und die Rückstau- sowie die Polderdeiche in der Lenzerwische begutachtet. 

Im Rahmen der Deichschau wird geprüft, ob sich die Hochwasserschutzanlagen in einem guten Unterhaltungszustand befinden, um einem etwaigen Hochwasser standhalten zu können. Nur eine stabile Grasnarbe gewährleistet eine guten Hochwasserschutz.

Die Deichschaukommission setzt sich überwiegend aus Vertretern der elbanliegenden Gemeinden, von Kreis- und Landesbehörden und des Wasser- und Bodenverbands zusammen. Häufig kommen auch Fachleute aus den anliegenden Bundesländern zum fachlichen Austausch.

In einem ersten theoretischen Teil informiert das Landesamt für Umwelt über die vollzogenen Unterhaltungsarbeiten und gibt einen Überblick über die durchgeführten und geplanten Investitionsmaßnahmen an den Hochwasserschutzanlagen in der Prignitz. In einem zweiten Teil überzeugt sich die Deichschaukommission während einer Deichbefahrung vor Ort vom Unterhaltungszustand.

© Landkreis Prignitz 


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