Mit dem Georadar über die Wiese

08.09.2026

Potsdamer Studentinnen suchten bei Dallmin nach slawischen Siedlungsspuren

Dr. Sophie Stephan (l.) und Daniela Picon Quintero untersuchten die elektrische Leitfähigkeit im Boden nahe dem Burgwall Dallmin/Postlin. / Foto: LK Prignitz/ Caroline Hähnelzoom

Wieder und wieder zieht Daniela Picon Quintero ihre Bahn auf der Wiese nahe dem Burgwall Dallmin/Postlin, in unmittelbarer Nähe zur Löcknitz. An die 20 Kilogramm schwer ist der gelbe Wagen, in dem sich empfindliche Technik zur Messung der Elektromagnetik verbirgt und den die Potsdamer Studentin in genau festgelegten Abständen über den Boden bewegt.



Studentinnen absolvierten in Dallmin ihr Feldpraktikum

Zusammen mit ihrer Kommilitonin Laura Paez, Dr. Sophie Stephan und Professor Dr. Jens Tronicke hat sich Picon Quintero in die Prignitz auf Spurensuche begeben, um mit Methoden der Geophysik mehr zu erfahren über die slawische Vergangenheit Dallmins. Der Fundplatz befindet sich in der Gemarkung Dallmin, ist aber historisch als Burgwall Dallmin/Postlin bekannt.

Eine Woche lang, vom 31. August bis zum 4. September, waren die Forscher der Universität Potsdam vor Ort und haben ein rund 100 mal 100 Meter großes Areal untersucht. Für die beiden Studentinnen war dies ihr Feldpraktikum, bei dem sie den Umgang mit Geomagnetik, -elektrik und Georadar kennenlernten.

„Junge Archäologen Prignitz“ gruben im August 2026 in Dallmin

Auf das Areal um den Burgwall Dallmin/Postlin fiel die Wahl, da der Sachbereich Bildung, Denkmalschutz und Kultur der Kreisverwaltung Prignitz eng mit der Universität Potsdam zusammenarbeitet. Die Messungen ergänzten die Grabungen des diesjährigen Sommercamps der „Jungen Archäologen Prignitz“. Im August hatten die teilnehmenden Jugendlichen an dieser Stelle zwar große Mengen an Funden zutage gefördert, aber kaum Befunde zur Siedlungstätigkeit. „Es geht um Nachweise der Außensiedlung der slawischen Burg und idealerweise auch zum früheren Verlauf der Löcknitz. Der Flusslauf war nämlich im Mittelalter anders als heute“, erklärt Kreisarchäologe Torsten Geue. „Die Masse an Funden, die die „Jungen Archäologen“ gemacht haben, spricht dafür, dass dort eine Siedlung gewesen sein muss.“

Um der Vergangenheit auf die Spur zu kommen, setzte das Team um Professor Dr. Jens Tronicke modernste Technik ein: Mit Sensoren messen die Geräte die Stärke des Erdmagnetfeldes; dabei auftretende Anomalien können Hinweise auf Strukturen im Untergrund geben, etwa Relikte einer Siedlung. Bei der elektromagnetischen Untersuchung wird die elektrische Leitfähigkeit des Untergrundes gemessen, was beispielsweise Aufschluss über Wasser im Boden gibt.

Studium der Geowissenschaften ist international ausgerichtet

Die beiden Studentinnen befinden sich derzeit im Masterstudiengang an der Universität Potsdam, Daniela Picon Quintero hat auch bereits ihren Bachelorabschluss dort gemacht. Sie stammt aus Venezuela, Laura Paez aus Kolumbien. Die Entscheidung, zum Studium ins Ausland zu gehen, fiel ihr nicht schwer, verrät Picon Quintero: „Ich habe überall in Europa recherchiert. In einem Ranking war die Potsdamer Uni bei den Geowissenschaften in einer Top-Position.“

Wie Professor Dr. Jens Tronicke erläutert, ist der Studiengang Geowissenschaften in Potsdam seit einiger Zeit englischsprachig und zieht viele Studenten aus anderen Ländern an. „Das ist durchaus üblich. Viele unserer Studenten verbringen ihrerseits eine Zeit im Ausland. In den Geowissenschaften hat man allgemein einen guten internationalen Austausch“, so Tronicke.

Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam soll perspektivisch wachsen: Aktuell befindet sich eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität und dem Landkreis Prignitz in Arbeit. Die am Burgwall Dallmin/Postlin gewonnenen Daten werden derzeit ausgewertet.

Daniela Picon Quintero zog den Wagen mit der Messtechnik in vorgegebenen Abständen über die Wiese./ Foto: LK Prignitz, Caroline Hähnel
Daniela Picon Quintero zog den Wagen mit der Messtechnik in vorgegebenen Abständen über die Wiese./ Foto: LK Prignitz, Caroline Hähnel

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